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Jung und Alt feiern Schützenfest

Erik Rönicke - Hubertusfalken

Immer mal wieder werden Stimmen laut, das Schützenfest sei eine Sache für alte, verkalkte Menschen. Im Gegenteil: Ich möchte von einem Schützenfest 2019 erzählen, bei dem in Hoisten jung und alt zusammenwachsen.

Für uns Jungschützen beginnt das Kirmesleben bereits eine Woche im Voraus mit dem Aufbau der Jungschützenresidenzen. Vom Edelknaben- bis zum Jungschützenkönig bekommen all unsere Repräsentanten ihre eigenen Aufenthalts- und Treffpunkte. Dort können sie gemeinsam mit Freunden und Familie schöne Stunden während der Kirmestage verbringen. Der Aufbau ist immer wieder aufs Neue eine schweißtreibende Angelegenheit, steigert aber auch die Vorfreude auf die anstehenden tollen Tage. In diesem Jahr gingen die Vorbereitungen noch ein paar Schritte weiter. Im nächsten Jahr findet am 26. April der Bezirksjungschützentag in unserem schönen Ortsteil statt. Wir Jungschützen schmückten das Festzelt und die Straßen mit unseren Plakaten um alle Schützenbrüder und Gäste auf unsere Festivität aufmerksam zu machen. So langsam kribbelte es in jedem von uns gewaltig: Wann geht es endlich los? Traditionell starten wir am Freitag mit der Abnahme der Jungresidenzen. Es geht über den Edelknabenkönig zum Pagenkönig und von da aus weiter zum Schülerprinzen. Ihr Ende findet dieser gesellige Rundgang immer bei unserem höchsten Repräsentanten dem Jungschützenkönig - in diesem Jahr Niklas Wyrich aus dem Jägercorps. Vor Ort genießt man das eine oder andere Kaltgetränk und stimmt sich auf das Schützenfest ein. In diesem Jahr besonders schön: Gemeinsam mit dem "großen Vorstand" und dem Regimentskönig Markus II. konnten wir ein Gruppenbild anfertigen. Beim Schützenfest geht es nicht um jung oder alt, es geht um den Zusammenhalt.

Den Schützenfest-Samstag startete ich gemeinsam mit meinen Kameraden des Hubertuszuges "Hubertusfalken" - und natürlich ging es zum Maiensetzen. Diese Tradition haben wir Jungzüge gern aufgegriffen und führen sie, wie auch die anderen Mitglieder der Bruderschaft fort. Es ist immer wieder beeindruckend, wie sich unser Dorf durch das Schmücken und Herausputzen verändert. Wir hängen also Maien an die Fahnenstangen und Regenrinnen unserer Mitglieder und genießen einen schönen Vormittag. Pflichttermin dabei: Das "Böllern" auf dem Alten Sportplatz. Pünktlich um 12:00 Uhr wurde dort auch in diesem Jahr das Schützenfest eröffnet und unser König Markus II. zum König der Hoistenerinnen und Hoistener ernannt. Die Stunden gingen ins Land und schon trafen wir uns mit den restlichen Schützen des Dorfes zum ersten Mal im Festzelt, um gemeinsam zur Gefallenenehrung am Kriegerdenkmal zu ziehen. Nach einem emotionalen Zapfenstreich und einer schönen Ansprache des Bruderschaftspräses Renovat ging es wieder zurück ins Festzelt. Unser neuer Oberst Jörn Nesslinger ließ das Regiment zum ersten Mal wegtreten und die Party konnte starten. Mit der Band "Realtones" feierten wir bis in die Nacht.

Machen wir uns nichts vor - der Sonntagmorgen ist hart, etwas Anderes glaubt mir hier sowieso niemand. Nachdem wir Jörn, wir dürfen den Oberst so nennen, abgeholt haben, gab es für meinen Zug in diesem Jahr eine Besonderheit. Während der Festmesse machten wir den Paradeplatz an der Schützenstraße klar für die erste Parade des Schützenfestes und stellten die Gitter auf. Diesen Job haben wir vom Hubertuszug "mer dörve" übernommen und führen diese Aufgabe unter seiner Anleitung weiter fort. Unser Hubertuscorps zeigte sich also von seiner schönsten Seite und zog erstmals an König Markus II. vorbei. Bei den Ehrungen im Festzelt wurden verdiente Schützenbrüder unseres Corps ausgezeichnet. Die "Festen Burschen" konnten einigen Jubilaren gratulieren (Mehr lesen!) und das St. Sebastianus-Ehrenkreuz an ihrem Kameraden Marcus Baumgarth bestaunen. Der Zug "mer dörve" freute sich über die Beförderung des Regimentsspießes Michael Rönicke zum Hauptmann und durfte sich ebenso über zwei Jubilare freuen. Auch der Zug "Ohne Namen" durfte jubeln: Frank Wyrich ist seit 40 Jahren Mitglied der Bruderschaft. Mein Zug "Hubertusfalken" feierte sein 10-jähriges Bestehen. Jungschützen Kevin Pütz aus dem Tambourcorps wurde mit dem Jugendverdienstorden in Bronze ausgezeichnet. Alt und jung gemeinsam - das macht uns aus. Als Jungschützen konnten wir außerdem viele weitere Schützen mit unserem Anstecker zum Bezirksjungschützentag beglücken. Der bisher sehr erfolgreiche Verkauf hilft uns bei der Finanzierung des Events. Bei "Sonne über Hoisten" konnten wir am Nachmittag des Sonntags ein fröhliches Antreten bei Major Daniel Bilk verleben und genossen die große Königsparade vor vielen Zuschauerinnen und Zuschauern. Die Jungschützen lassen den Sonntag traditionell in der Residenz des Jungschützenkönigs ausklingen. Und so zogen wir zur späten Stunde gemeinsam zu Niklas Wyrich und verzällten und feierten noch ein Stückchen weiter.

Am Montagmorgen trat Oberst Jörn Nesslinger beim alljährlichen Frühschoppen ans Mikrofon: "Ich darf Verzug vermelden, wir haben zwei Bewerber." Dorffunk funktioniert in Hoisten seit jeher besser als das Internet und so waren schnell alle Schützen darüber informiert, dass auch ein Kandidat aus dem Hubertuscorps mitschießt. In einem spannenden Duell konnte sich Artur Koziatek aus dem Majorszug "Jut Breet" gegen den Scheibenschützen Michael Heidelberg durchsetzen. Dazu möchte auch ich Dir nochmal ganz herzlich gratulieren. Wiederum präsentierte sich das Corps in der Folge als eine Einheit und absolvierte die anschließende Parade in einer gemeinsamen Blockformation.


Den Montagabend verbrachten wir mit dem gemeinsamen Gucken des "Montagabendclubs", der auch in diesem Jahr eine hervorragende Parodie auf das amtierende Königspaar lieferte. Besonders in den Fokus geriet dabei der Hubertusschütze Peter Tenberken, der das Herz des Single-Königs Markus Lutter im Sturm eroberte. Viel Glück Euch zwei (😉).

Der Dienstag begann für meinen Zug "Hubertusfalken" mit einem gemeinsamen Frühstück und einem anschließenden Bad im Pool des Kameraden Lars Schlemper. An dieser Stelle sei auch den lieben Muttis und Frauen zu danken: Für das Zur-Verfügung-Stellen der Häuser und Wohnungen, für das Richten der Hosen und Hemden und für die aufbauenden Worte beim Aufstehen am Morgen - ohne Euch ist keine Kirmes denkbar! Am Dienstag zeigte das Wetter noch einmal was es drauf hatte und bescherte uns tropische Temperaturen. Das hielt uns jedoch nicht davon ab, noch einmal eine schöne Parade abzuhalten und zu einem letzten Umzug anzutreten. Kaum im Zelt hieß es für die Offiziere auch schon: "Antreten zur Abholung des Hofstaates!" Während sich also die Offiziere auf den Weg machten, blieben einige Kameraden meines Zuges im Zelt und kümmerten sich um die Spendenbox der Bruderschaft. Diese gegenseitige Hilfe ist es, die ein Schützenfest ausmacht. Durch das Programm des folgenden Königsballs führte erstmals Oberst Jörn Nesslinger, der in Trauer um zwei verstorbene, langjährige Mitglieder unserer Bruderschaft noch einmal darauf aufmerksam machte, dass Schützen in Freud und Leid zueinander stehen. Markus II. und seine Königin Anja beschlossen das offizielle Programm und legten abermals eine heiße Sohle auf's Parkett.

Von allen offiziellen Aufgaben erlöst, genoss ich, gemeinsam mit meinen Kollegen des Jungschützenvorstands, ein paar Runden an der Theke und machte mich, nachdem das Zelt geschlossen hatte, auf den Weg zur Königsresidenz. Markus II. belohnte uns "Übriggebliebene" für das Durchhalten mit einem leckeren Buffet und einer Käse-Lauch-Suppe, die noch lange Dorfgespräch bleiben wird.

Am Mittwoch nach den Kirmestagen traf ich mit meinem Zug "Hubertusfalken" und trug beim gemeinsamen Ausklang diese Erinnerungen zusammen. Wir blicken zurück auf ein harmonisches und sonniges Schützenfest für Jung und Alt und freuen uns auf euer Kommen in 2020.